Der „rasende Wolf“ von Winningen

Aberglaube, Medizin und Jagdpolitik am Beginn der preußischen Herrschaft

Ein Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Schmid, Winningen

Datum: 04. April 2025 um 19:30 Uhr

Vinothek im Winninger Spital

Eintritt: 8,- Euro incl. einem Glas Begrüßungswein

 

Die Rückkehr der Wölfe in unsere Wälder ist nicht nur ein Thema für Naturschützer, Jäger, Schäfer und Hundebesitzer, sondern auch für Historiker, die die Frage stellen, wie sich der Umgang mit dem Wolf im Verlauf der Jahrhunderte entwickelt hat, und zwar vor dem Hintergrund der Beziehung von Mensch und Natur. Dabei ist auch zu fragen, wann und warum das Bild des „bösen Wolfs“ entstand und warum dieser im 19. Jahrhundert ausgerottet wurde.

Der Vortrag richtet sich an Natur-, Jagd- und Geschichtsinteressierte gleichermaßen. Wolfgang Schmid nimmt Ereignisse im Jahre 1815 in den Blick, in der Phase des Umbruchs von der Napoleonischen Herrschaft zur entstehenden preußischen Rheinprovinz. In diesem Sommer kam es zu mehreren Angriffen einer „rasenden“ (tollwütigen) Wölfin in den Gemeinden Winningen, Rübenach und Güls, denen 14 Personen zum Opfer fielen. Von ihnen starben sieben an der Tollwut, wie aus den Akten der Verwaltung detailliert hervorgeht.

Zu diesem Zeitpunkt sollte es nämlich noch 70 Jahre dauern, bis Louis Pasteur die Impfung gegen die Tollwut entwickelte. Der Leidesweg der verletzten Personen ist erschütternd, ebenso die Therapien, die man damals anwandte. Sie zeigen jedoch, wie intensiv der medizinische Diskurs über die Tollwut zu dieser Zeit war.

Ein spannender Vortrag mit unmittelbarem Bezug zu den Gemeinden an der Untermosel, der im Anschluss daran zu Diskussionen über die Wiederkehr der Wölfe und ihre Aufnahme in das Jagdrecht von Rheinland-Pfalz bei einem Glas Wein anregt.